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4 Antworten

  1. Uwe

    Ausgesucht öde Fassaden, anziehend und erschütternd, d.h. fotogen und trist in einem. Nichts als stille Oberflächen, stummer Schein, und doch auch mit dem Potential, in uns etwas zum Sprechen zu bringen. Können wir dem überhaupt beim Betrachten von Bildern resp. Fotos entgehen?

    Bei dieser Serie kam mir ein Satz von Susan Sontag in den Sinn: „Niemand hat je durch Fotografien Häßlichkeit entdeckt.“
    Und so könnte man selbst bei diesen gewöhnlich-allzugewöhnlichen Fassaden über Formalia wie Komposition, Flächenspannung, Farbklänge und dergl. räsonieren, und zwar allein deshalb, weil sie durch Dich & den Apparat zu einem Bild wurden, zu einer in sich gefügten Interpretation eines Ausschnitts der (sichtbaren) Welt, die unsere ästhetische Sensibilität reizt und nährt.

    Gruß, Uwe

    18/05/2014 um 11:00

  2. Bersarin

    Der Satz von Sontag ist einerseits zutreffend, aber darin liegt gerade auch die Gefahr der Photographie. Daß sie nämlich verklärt bzw. beschönigt, wo nur das Grauen herrscht. Wie z.B. in Kriegsgebieten oder Photographien aus Lagern oder von Katastrophenszenarien. Nimmt man die Photographien von Abu Ghraib, dann gewinnen diese über die Anordnung des Szenarios fast schon einen ästhetischen Reiz: als handele es sich um eine Kunstperformance. Was es definitiv nicht ist.

    Im Grunde sind diese Photographien, die ich mache, reportagehafte Spaziergänge. Bilder beim Flanieren. Weshalb Dein Blogname „Spazierensehen“ es eigentlich gut trifft.

    18/05/2014 um 11:38

    • Uwe

      Richtig, Deine Interpretation des Sontag-Satzes.
      Zu Kriegs-Fotografien hat sie übrigens ein ganzes Buch geschrieben: Das Leiden anderer betrachten. Sehr lesenswert:: Fotos sind imstande, Leid zu vermitteln, neutralisieren es am Ende aber auch. Sie können Teilnahme wecken, aber eben auch die Sinne abstumpfen. Daher sind solche Fotos auf den Kommentar angewiesen, den Text, das Diskursfeld. Fotos können uns heimsuchen, lassen uns nicht mehr los, aber um etwas zu begreifen, brauchen wir Erzählungen. So in etwa ihre Zentralthese (aus der Erinnerung).

      Ja: gehen, verweilen, schauen, festhalten – und das alles im melancholischen Bewusstsein der Vergeblichkeit solchen Tuns. Denn es ist meist oder immer ein „Zu spät“, dessen wir im Bild oder Wort habhaft werden. Aber wem sage bzw. schreibe ich das.

      Schönen Sonntag, Uwe

      18/05/2014 um 15:28

  3. Bild und Kommentar gehören in solchen Kontexten unabdingbar zusammen. Das sehe ich ebenso. Allerdings gibt es genauso die grenzgängerische Photographie, die zwischen Dokument und Kunstwerk changiert.

    Das Bild fängt den Moment ein. Die Photographie verweist immer auf dieses Zu-Spät, auf die Nachträglichkeit, auf das Vergehen der Zeit. EIne Photographie indiziert den vergangenen Moment, jenes Es-war-einmal des Augenblicks. Barthes hält diese Aspekte der Photographie sehr gelungen in seinem Buch „Die helle Kammer“ fest.

    19/05/2014 um 15:59

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